Menschennahes Bauen

Menschennahes Bauen

Menschennahes Bauen

Piet Sieperda – Menschennahes bauen, Wochenschrift Das Goetheanum nr 49, 12. Dez. 2022., Foto`s: Peter Zimmer

Piet Sieperda – Menschennahes bauen, Wochenschrift Das Goetheanum nr 49, 12. Dez. 2022., Foto`s: Peter Zimmer

Ein  Blick auf die Verbindung von Mensch und Baukunst anhand dreier Dornacher Gebäude. - Ein räumliches Linien- und Kräftesystem - Drei Bewegungsrichtungen gefunden - Drei Bauten gefunden  Architekt und Massenm  odell - Haus deJaager, Eurythmeum, zweites Goetheanum - Die Entwicklung dieser Kräfte gut sichtbar gemacht - Gehen und Stehen - Das Statische und Dynamische im Menschen - Die Frontal- und Medianebenen.

Fragment

Wenn wir über die Gesetze des menschlichen Körpers sprechen, ist die Medianebene so offensichtlich, dass es fast peinlich ist, noch darüber zu sprechen. Wir wissen aus täglicher Erfahrung, dass unsere Körper und die unserer Mitmenschen symmetrisch sind. In der künstlerischen Anatomie nennen wir die Ebene, die unsere linke Körperhälfte trennt und sie mit der rechten Körperhälfte spiegelt, die Medianebene. Diese Ebene ist ebenfalls ein Grundgesetz des menschlichen Körpers. Sie ermöglicht uns, unserem Handeln eine Richtung zu geben und uns im irdischen Raum zu orientieren, auch mit unseren Fahrzeugen und Werkzeugen. Aus diesem Grund sind auch sie symmetrisch, sonst wären wir nicht in der Lage, sie zu steuern oder mit ihnen zu arbeiten.

Das architektonische Oeuvre Rudolf Steiners lässt keinen Zweifel an der Symmetrie. Mit Ausnahme des Eurythmeums, das eindeutig einen Sonderfall darstellt, als Erweiterung des ursprünglichen Haus Brodbeck, verdanken alle Gebäude auf dem Dornacher Hügel die Symmetrie seiner Hand.

Eines der Ziele, welches sich in Steiners architektonischem Werk offenbart, ist es, eine Architektur in die Welt zu bringen, die eine möglichst enge Verbindung zum Menschen und insbesondere zum menschlichen Körper als Manifestation unseres irdischen Daseins hat. Das große Ziel ist es, eine Architektur zu schaffen, die eine tiefe Affinität zum Menschen hat. Entscheidend dabei ist, wie sehr wir uns mit diesem Gebäude verbunden fühlen.

Steiners Bauimpuls

Das charakteristischste Merkmal von Steiners Zugang zur Architektur scheint der dynamische Teil einer Struktur zu sein. Man muss vom Gebäude aus sehen können, dass es gut auf dem Boden steht, dass es das Dach gut trägt und dass es mehr oder weniger eine Vorwärtsbewegung zeigt. Zusätzlich gibt es auf der Rückseite einen statischen Teil. Aber das erfordert viel weniger kreative Anstrengungen als der dynamische Teil des Entwurfs. Natürlich müssen Vorder- und Rückseite gut zusammenpassen.

Es ist wichtig, dass auch statische Funktionen mehr oder weniger im statischen Teil des Gebäudes untergebracht sind. Wir können auch sehen, ob Funktionen über den linken oder rechten Teil des Gebäudes verteilt werden können. Auf diese Weise gibt es ein tragfähiges Konzept, mit dem wir zukünftige Bauprojekte schaffen können. Ein Bauherr der so etwas will, ist dabei entscheidend.

Im Hinblick auf die diskutierten Gebäude in Dornach können wir uns fragen, inwieweit wir uns mit ihnen verbunden fühlen. Wenn man weiß, dass sich dieser Stil noch in der Entwicklung befindet, kann dies ein Hinweis darauf sein, inwieweit es dem Architekten gelungen ist, sich als Mensch in diesem Stil wiederzufinden. Und damit auch, inwieweit sich ein Architekt von diesem Architekturkonzept hat leiten lassen und damit zur Verwirklichung des Bauimpulses Rudolf Steiners beiträgt.


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PDF - Menschennahes bauen PDF vom Aufsatz aus Das Goetheanum, Dez. 2022

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PDF - Humanlike architecture (English translation – text only)


PDF - De verbinding mens en bouwkunst (NL versie uit Motief dec/jan 2020/2021)


Der Raumgedanke

Der Raumgedanke

Der Raumgedanke

Piet Sieperda – Der Raumgedanke (Vortrag), STIL, Ostern 1994

Piet Sieperda – Der Raumgedanke (Vortrag), STIL, Ostern 1994

Einleitend - Architektur-Aesthetik - Das Konkave - Camille Sitte - Rudolf Steiner - Mensch und Baukunst - Raumgedanke, Funktion und Baugestalt - Drei Gesten in der Architektur unserer Zeit – Erleben der Raumesrichtungen – Den Vortrag des 21. November 1914 - Die Proportion - Dominierende Funktionen – Denken, Fühlen, Wollen - Neu-Orientierung – Heizhaus, Haus Duldeck - Chris Wegerif, zwei Villen in Holland – Vignette Assja Turgenieff – Die Gruppe

Fragment

Es wurde Anlass, weiter zu suchen. Ist man auf den Raumgedanken erst einmal aufmerksam geworden, dann ‘liest’ man in der Literatur immer wieder darüber.Ausgangspunkt kann sein, dass Rudolf Steiner diesbezüglich immerhin in seinen Architekturvorträgen darauf hinweist, daß die Architektur ist: Ein Hinausprojizieren der Kräftelinien des physischen Leibes des Menschen. In  den Vortragen “Kunst im Lichte der Mysterienweisheit” )9  werden die verschiedenen Künste in Beziehung gesetzt zu den verschiedenen Wesensgliedern des Menschen: Beispielsweise Malerei in Zusammenhang mit dem Astralleib, Bildhauerkunst mit dem Ätherleib und die Architektur mit dem physischen Leib.

Unsere Gestalt, der physische Körper des Menschen, ist symmetrisch, wir haben eine Vorderseite und ein Hinten, die Füße stellen wir auf die Erde, das Haupt haben wir oben, ein kleines Himmelsgewölbe gestellt zum großen. Kurz: Wir sind mit dem physischen Leib hineingestellt in die seit langem bekannten drei Raumesrichtungen: Links‑Rechts, Vorne‑Hinten und Oben‑Unten. Wer die Geschichte der Architektur lebhaft vor sich hat, erkennt gleich, dass dieses “Hinausprojizieren”)10 , worauf Steiner hinweist, schon immer da war. Der Mensch hat immer dieses Hinausprojizieren gemacht, das ist zu sehen bei ägyptischen Tempeln, griechischen Tempeln, romanischen, gotischen, barocken Kirchen usw. Das ist also als Ausgangspunkt schon da, aus der Geschichte heraus.

Drei Gesten

Nun gibt es in den Anfängen der neuen Architekturentwicklung in unserem Jahrhundert grundsätzlich drei Gesten. Die erste Geste löst die Verbindung der Architektur zum menschlichen Körper auf. Raumesrichtungen gibt es nicht mehr. Das ist die luziferische Strömung, links gezeichnet auf der Tafel: nur das himmlische Element. Die zweite Geste löst die Verbindung der Architektur zum menschlichen Körper los. Abstrahierung der Raumesrichtungen in ein unendliches Feld von dreidimensional gegliederten Linien (bzw. Flächen). Das ist die ahrimanische Strömung, rechts gezeichnet auf der Tafel: das irdische Element dominiert. Rudolf Steiner vollzieht eine ganz andere Geste. Er behält die Verbindung zwischen Mensch und Architektur und erweitert diese Verbindung im modernen Sinne und zwar so, dass er Qualitäten mit diesen drei Raumesrichtungen verbindet, jeweils die Qualitäten, in denen der Mensch in bezug auf diese Raumesrichtungen des Vorne‑Hinten, Links‑Rechts, Oben‑Unten lebt. Er macht also nicht die Bewegung zum Nullpunkt einerseits oder zur Unendlichkeit andererseits, sondern er bleibt in der Mitte, in der Gleichgewichtslage, wo es das Leben gibt. Er kann eine Architektur für die neue Zeit, die angefangen hat, gerade schaffen durch die Verbindung mit menschlichen Qualitäten, die Beziehung zwischen Mensch und Architektur verstärkend, inniger zusammenhängend machend. Das ist der wichtige Punkt. Wir spüren, wenn wir dieses Studium des Goetheanum betreiben, dass wir die ganze Entwicklung der Architektur unserer Zeit an einem Zipfel halten.


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PDF - Vortrag – Architekturtagung – Der Raumgedanke – STIL Ostern 1994


Das Goetheanumsgelände

Das Goetheanumsgelände

Das Goetheanumsgelände

Piet Sieperda – Der neue Raumgedanke I - Nähere Betrachtungen zum Goetheanumsgelände, STIL, Epiphanias 2001

Piet Sieperda – Der neue Raumgedanke I - Nähere Betrachtungen zum Goetheanumsgelände, STIL, Epiphanias 2001

Luziferischen und die Ahrimanischen Kräfteverhältnisse – Denken, Fühlen, Wollen - Ein neuer Plan des Geländes - Die Etappen dieser Betrachtung - Die vier Quadranten - Licht und Finsternis - Tag und Nacht – Sonnenbahnbewegung - Das Goetheanum im größeren geographischen Raum - Die drei Wege – Erlebnisaspekte - Der ‘Philosophen’Weg

Fragment

Die Etappen dieser Betrachtung

Die Betrachtung, die wir unter dem Aspekt des Raumgedankens auf diesem Gelände durchführen möchten, fangen wir diesmal ganz von der äußersten Peripherie an. Wir fangen an mit Einbeziehung von eben der Sonne als Gestalter der Sichtbarkeit der Landschaften auf dieser Erde selber und zwar durch ihre große Bahn durch Tag und Nacht und ihre Beziehungen zum spezifischen Standort des Goetheanums. Rudolf Steiner hat doch den Bau sehrklar in ein Verhältnis zu den Himmelsrichtungen auf den Dornacher Hügel gestellt.
Danach werden wir uns kurz in das größere und nähere geo-graphische Umfeld hineinfinden, um die genannten Verhältnisse zu entdecken.
Das Goetheanumgelände selber wird uns dann zunächst beschäftigen, die WegeFührung im Gelände, die Positionierung der Nebenbauten im Gelände.
Noch mehr zusammenziehend gehen wir über zu einer näheren Betrachtung der Aussengestalt des zweiten Goetheanums, bis an das erste Goetheanum, wo wir dann enden beim Rednerpult. Beim Rednerpult sind wir genau angekommen an der Schnittstelle, wo das Raster auf diesem ersten Lageplan seinen wesentlichen Mittelpunkt hat (Abb. 2).
Eine konsequente Reise also von der äußersten Peripherie der Sonnenbahn zu dem Standort des Rednerpultes ist der Weg.


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PDF - Nähere Betrachtungen zum Goetheanumsgelände (STIL, Epiphanias 2001)

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PDF - Goetheanumterrein (Nederlandse vertaling - alleen tekst)


PDF - Goetheanum Site (English translation - text only)


Die Nebenbauten

Die Nebenbauten

Die Nebenbauten

Piet Sieperda – Der neue Raumgedanke II - Nähere Betrachtungen zu den Nebenbauten, STIL, Ostern 2001

Piet Sieperda – Der neue Raumgedanke II - Nähere Betrachtungen zu den Nebenbauten, STIL, Ostern 2001

Peripherie/Zentrum - Bohnenform Wohnhaus – Richtungen - Haus de Jaager – Die Komposition des Ganzen - Ballen – Spreizen - Die Nebenbauten in den Quadranten - Links/Rechts - Wohnhäuser/ Zweckbauten - Vorne/Hinten - Begegnungsstelle zwischen Tragen und Lasten - Von Ost nach West - Dick/Dünn - Übergang vom Runden zum Geraden - in dynamischem Gleichgewicht

Fragment

Ausgangspunkt für eine weitere Betrachtung der Nebenbauten ist die Aussage Rudolf Steiners dass, wenn man von einem Bau für dieses Gelände die Funktion kennt, man zugleich weiss, wo man den Bau in das Gelände hinzustellen hat und wie jener auszusehen hätte.)1
Eine solche Aussage ist nur möglich, wenn man einen grundlegenden Gedanken hat, dem im guten Sinne nur zu folgen ist, um ein ansprechendes und passendes Resultat zu bekommen.

Peripherie/Zentrum

Ein Aspekt ist zunächst, dass die meisten Bauten im Gelände ihre Eingangs-seite zum Zentrumbau haben und dadurch ihre “Garten”-seite nach außen gekehrt zeigen.Dieses unterstellt schon, dass jeder Bau eine Vorder- und eine Hinterseite zeigt, ohne dass man damit ein abwertendes Urteil verbinden möchte, denn das wäre in dieser Sache nicht recht produktiv. Beide Seiten haben ihre jeweiligen Qualitäten, und in dieser näheren Betrachtung der Nebenbauten des Goetheanums im Zusammenhang mit dem Raumgedanken geht es darum, die Unterschiedlichkeiten zu bemerken und zu bewerten, um daraus ein erweitertes Bewusstsein für die inneren Gesetzmässigkeiten des Architekturimpulses Rudolf Steiners zu erarbeiten.

Bohnenform Wohnhaus

Für einen einzelnen Bau, um zuerst diesen untergeordneten Aspekt zu behandeln, hat Rudolf Stei¬ner einmal einen Hinweis gegeben wie man ein Wohnhaus gestalten könnte: “Geben sie dem Haus die Form einer Bohne”. )2
An der Form einer Bohne kann man eine konvexe und eine konkave Seite ablesen. Wenn nun diese Form als Grundplan für ein Wohnhaus angewendet wird, sagt Rudolf Steiner, unterscheide man deutlich eine Verkehrsseite am Bau und eine Gartenseite. Die Eingangsseite ist dann Verkehrsseite, es wechselt dort der Mensch den Außenraum mit den Innenraum, eine Wechselstelle ist das mit einer gewissen Aktivität. Das Wohnen im Haus selber ist in Hinblick auf diese Verkehrssituation beim Ein- und Ausgang schon eine Einheit für sich, wenn auch dabei mehr ahrimanisch oder mehr luziferisch betonte Funktionen zu unterscheiden sind. Hier kann man zum Beispiel denken an die mehr aktiven und mehr passiven Zonen innerhalb einer Wohnung. Der Garten schließt sich allerdings an mehr luziferische Seiten des Wohnens an als funktionierende Aktivität: Freizeit genießen, frische Luft, Blumenduften, Grün, den schönen Garten genießen. Ruhe insbesondere wird von Rudolf Steiner selbst betont als Hauptaspekt. “Mein Ruh will ich haben”, sagte er in dieser Beziehung.


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PDF - Der neue Raumgedanke II - Naehere Betrachtungen zu den Nebenbauten - STIL


Die Goetheanumbauten

Die Goetheanumbauten

Die Goetheanumbauten

Piet Sieperda – Der neue Raumgedanke III - Nähere Betrachtungen zu den Goetheanumbauten, STIL, Johanni 2001

Piet Sieperda – Der neue Raumgedanke III - Nähere Betrachtungen zu den Goetheanumbauten, STIL, Johanni 2001

Das zweite Goetheanum - Aspekten der Polaritäten innen und ausen - Theaterfunktion - Theater sichtbar zu machen - Die drei Dächer – Das Viergetier - Das erste Goetheanum - das Theater von Ahri¬man – Doppelkreisgedanken und Raumgedanke - Saal/Bühne - Goetheanum und Quadranten – Zahlenpolarität - West-Ost Achse – Aussengestalt - Das Rednerpult als Mittelpunkt

Fragment

Im einem Theatersaal sitzt das Publikum, möglichst komfortabel. Das Publikum ist während der Aufführung äußerlich bewegungslos. Das Publikum, das sind viele einzelne Menschen zusammen, aber im Theater zusammen reagiert es als eine Einheit. Man kann natürlich sagen, es gibt da viele unterschiedlich reagierende Individuen im Saal, es wäre aber auch zu behaupten, dass die inneren psychischen Erlebnisse der Menschen durch die Ereignisse und Vorgänge auf der Bühne weitgehend synchronisiert sind. Man hat ein einendes Erlebnis. Das ist in den Pausen zu merken, wenn viele in lebendigem Ausstausch das selbst Erlebte bei den andern als Echo finden wollen. Es ist, als wollte man in solchen Momenten hören, dass man zusammen etwas Übereinstimmendes erlebte. Die Einheit bildet sich schon, wenn man einsieht, dass alle für dasselbe Spiel gekommen sind. Und wenn das Stück erfolgreich ist, genießen es die Zuschauer und lassen es merken. Aus dieser Ruhe, dieser synchron konzentrierten Einheit des Publikums, dieser Einheit im Funktionieren aller Zuschauer und aus dem Genießen selber als seelischem Element kann man schon die luziferische Dominanz im Saalleben spüren.

Diese Dominanz wird noch mehr hervorgehoben, konturierter, wenn man sich nun zum Geschehen und Erleben auf der Bühne wendet und sich fragt: “Was geschieht dort, was funktioniert dort im Konkreten?”

Ohne dass der Zuschauer es eigentlich bemerkt, ist ein ganz betriebsames Wesen vor und hinter den Kulissen arbeitsam. Technische Hilfsmittel werden bedient, Kostüme und Dekore werden gewechselt, Beleuchtung geändert, Akteure werden geschminkt, bereiten ihre Rolle gespannt vor. Es wird Geld verdient. Also kann man alles, was da geschieht, als einen Betrieb ansehen. Und das Stück könnte nicht auf die Bühne gebracht werden, wenn nicht so viele Vorbereitungen getroffen worden wären, wenn der Regisseur mit seinen Spielern nicht soviel hätte einstudieren und proben müssen. Und dieses Einstudieren, das ist auch wirklich manchmal Wiederholen, immer wieder Wiederholen, bis das Stück sitzt und aufführungsreif ist. Und jeden Abend ist eigent¬lich auch eine Wiederholung desselben für ein anderes Publikum. Da erlebt man, wenn man eingeht auf die Frage “Was geschieht, was funktioniert da?” durchaus eine Arbeitssituation, und damit hat man den ahrimanischen Duktus des Bühnenbereichs bezeichnet.


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PDF - Der neue Raumgedanke III - Nähere Betrachtungen zu den Goetheanumbauten - STIL

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PDF - New spatial concept III – Goetheanumbuildings (English translation – text only)


PDF - Het nieuwe ruimteconcept III - Goetheanumgebouwen (Nederlandse vertaling - alleen tekst)


Entwickelungswege / Ontwikkelingswegen

Entwickelungswege / Ontwikkelingswegen

Entwickelungswege / Ontwikkelingswegen

Piet Sieperda – Entwickelungswege (arbeitstitel) - In Vorbereitung - Publikation erst in 2025

Piet Sieperda – Entwickelungswege (arbeitstitel) - In Vorbereitung - Publikation erst in 2025

Das architektonische Werk I – Klassizismus in München – Steiner spaziert in Dornach und Arlesheim – Molt be-sucht der Hügel – Entwicklungsweg 1914 - Angaben für Kolonisten – Der Bau wird Mensch – Ein raumliches System – Welche Gesetzmäszigkeiten? – Welche Li-nien? – Welche Kräfte? – Entwicklungsweg 1924 – Der Betonbau – Gedanken dazu – Entwicklungsweg 1970 – Der Waldorfschule baut – Scharounismus Impuls – Der Bau wird Landschaft – Van der Ree versus Weber – Bauherren und Architekten (Carel Weeber) – Der Bau wird Mensch - Aussicht

Fragment (NL /DE)

Lijnen en krachten

Steiner maakt in deze voordracht duidelijk dat de genoemde wetmatigheden van het menselijk lichaam niet bedoeld zijn als een beperking voor de mogelijkheden van een architect. In de breedste zin is hier sprake van een ruimtelijk systeem van lijnen en krachten,  Zowel in de architectuur als bij het menselijk lichaam dienen we daarbij nog onderscheid te maken tussen lijnen en krachten, ieder afzonderlijk.

Lijnensysteem

Om het hier bedoelde lijnensysteem bij de mens te herkennen kunnen we ons beperken tot de lichaamsvorm in bewegingloze toestand: een mens die stilstaat is het meest illustratief. Om te beginnen kunnen we alle drie de ruimterichtingen onderscheiden: boven – onder, links – rechts en voor – achter. Opmerkelijk in dit systeem van lijnen is met name de symmetrische structuur: de linker- en rechterkant spiegelen elkaar. Anders van kwaliteit is de enorme tegenstelling tussen voor- en achterkant, de buik- en de rugzijde. Dit verschil is extreem te noemen. Ook tussen boven en onder zijn de verschillen opmerkelijk maar deze zijn vooral bepaald door het krachtensysteem dat zich hier manifesteert.

De consequenties voor de architectuur dienen we dus met name te zoeken in de symmetrie en in het contrast tussen voorzijde en achterzijde van een gebouw.

Krachtensysteem

Het krachtensysteem dat we naast dit lijnensysteem kunnen onderscheiden wordt pas goed zichtbaar als het menselijk lichaam in beweging komt, meer specifiek: vanuit het ik, via het astraal- en levenslichaam. Van de drie ruimterichtingen is hier de verticale richting het meest uitgesproken: naar boven gericht, naar onder stevig met de benen op de grond. In horizontale richting is de beweging naar voren het meest kenmerkend: van staan naar gaan. Ondanks de bij het lijnensysteem besproken symmetrie tussen links en rechts kunnen we in het krachtensysteem wel degelijk fysiologische verschillen onderscheiden. Vertaald naar de architectuur zouden we dit eventueel terug kunnen vinden in functionele verschillen tussen de linker-en rechterkant van het gebouw. Veel nadrukkelijker echter is dit krachtensysteem in de architectuur te vinden in de uiterlijk zichtbare dynamiek in drie richtingen: naar boven, naar beneden en naar voren. (zie ook: Das Goetheanum 49, 2022, Seite 12 – 15: `Menschennahes Bauen`).

Het ontstaan van het tweede Goetheanum

De drie ruimterichtingen – het eerder genoemde primaire element van het lijnensysteem – zijn bij het theater automatisch in het spel. Omdat het tweede Goetheanum noodzakelijkerwijs binnen de contouren van het eerste Goetheanum moet worden opgetrokken, ligt het voor de hand dat dit primaire element voor het hele gebouw gebruikt zal worden.

In dit nieuwbouwproject is evenwel sprake van een aanvullende voorwaarde: om binnen de contouren van het eerdere gebouw meer vierkante meters gebruiksruimte te realiseren. Steiner benut hier de ruimte van de koepels om een verdieping toe te voegen. Daarnaast benut hij nog andere mogelijkheden om de gebruiksruimte te maximaliseren.

In het maart 1924 ontstane massamodel herkennen we alle drie de elementen van het lijnensysteem: de drie ruimterichtingen, de symmetrie en de polariteit tussen voor- en achterkant.

In het uiteindelijk geboetseerde model kunnen we zelfs de dubbele koepel van het eerste Goetheanum nog terugvinden: aan de achterkant een kleiner volume, statische dominantie en een samentrekkende tendens, aan de voorkant het grotere volume, dynamische dominantie en een uitdijende tendens.

Dit zijn aspecten die inherent zijn aan de dubbelkoepel-gedachte en derhalve kan Rudolf Steiner in aanloop naar het tweede Goetheanum rustig postuleren, dat dit nieuwe gebouw vanuit dezelfde uitgangspunten wordt ontworpen als het eerste.

“…Steiner entwickelte am 1.Januar 1924 die Grundkonzepte eines Neubaus, der zwar aus denselben Quelen wie der zerstörte Bau hervorgehen sollte, aber seiner Gestalt nach keine Wiederhohlung des Zerstörten sein würde.” . (Das architektonische Werk 1 – Seite 324).

De bouwvergunning en aanpassingen

Op 26 maart wordt het model overgedragen aan het bouwbureau om het te vertalen naar een bouwaanvraag. In April 1924 ontstaan daarover besprekingen tussen Steiner en zijn architect Ernst Aisenpreis. De notities die hiervan zijn opgetekend door de architect hebben de vorm van een dialoog tussen Aisenpreis (E.A.) die de vragen stelt en Steiner (R.S.) die Antwoord geeft. Soms gaat het over details als de plaatsing van het Rednerspult, het orgel of de Gruppe. Maar soms ook over zaken die het aanzicht van het gebouw bepalen:

E.A.: “Die obere Dachfläche hat zu wenig Neigung.” – R.S.: “Machen Sie den Bau vorne um 1 meter Höher und Gleichen Sie die Höhe nach vorne aus und machen Sie das Bühnendach nach hinten tiefer.”

(DAW1 – Seite 339).

Op 21 mei vertrekt Steiner dan, begeleid door Ita Wegman naar het kantonaal bouwdepartement in Solothurn om de bouwplannen aan te bieden. Het begeleidend schrijven is ondertekend door Steiner en Aisenpreis.

Daarna volgen er nog verschillende onderhandelingen met de gemeente Dornach en het bouwdepartement in Solothurn.

Op 9 september volgt dan de officiële bouwvergunning van het kanton, zij het met een aantal aanpassingen:

“Verringerung der Gesamthöhe, Gliederung des Osttrakts, feuerfester Vorhang und Entlüftungsanlage für die Bühne sowie farbliche Anpassung des Baus an die Umgebung”. (DAW1 – Seite 346).

Deze worden verwerkt in de tweede bouwaanvraag van november 1924.

De gevolgen lijken voor de buitenstaander klein, maar zijn redelijk desastreus als we de daarin verborgen dubbelkoepelgedachte willen herkennen: door het terugbrengen van de totale hoogte, lijkt de achterkant relatief hoger te worden. Hierdoor vermindert de tegenstelling tussen voor- en achterkant en daarmee de beweging naar voren toe.

Deze ambtelijke “correctie” is zeer waarschijnlijk gebaseerd op een algemeen esthetisch evenwichtsgevoel, vriendelijk bedoeld. Deze ingreep heeft echter een blijvend effect op het hierboven besproken krachtensysteem in het oorspronkelijk ontwerp.

Hierdoor lijkt het of de beweging naar voren al bij de achtergevel begint en niet vanaf de grens tussen het statische domein en het dynamische domein: namelijk op het grensvlak tussen zaal en podium, ter hoogte van het Rednerpult.


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PDF - Ontwikkelingswegen deel 1 - Proloog (2025)


Extra: Die Holzplastik

Extra: Die Holzplastik

Extra: Die Holzplastik

Piet Sieperda – Die Holzplastik Rudolf Steiners für das Erste Goetheanum, eine Kunstbetrachtung vom Gesichtspunkt des Raumgedankens, STIL, Epiphanias 1994 (1995/1)

Piet Sieperda – Die Holzplastik Rudolf Steiners für das Erste Goetheanum, eine Kunstbetrachtung vom Gesichtspunkt des Raumgedankens, STIL, Epiphanias 1994 (1995/1)

Kunstgeschichtliche Perspektive - Kunstbetrachtung – Konzeption - Holzskulptur - Raumgedanke - Arild Rosenkrantz - Kämpfe im menschlichen Organismus - Zusammenhang – Entwickelungschritte - Luzifers Schwere – Raumesrichtungen - Konvex-Konkav - Luzifer – Ahriman - Schwingungszustand

Fragment

In den zweiten Entwurf (Abb. 4) von Rudolf Stei­ner, der auf den ersten Entwurf (Abb. 3) von der Hand von Edith Maryon folgt, wird ja das Ganze sehr in die Vertikale getrieben, was dann im dritten Ent­wurf (Abb. 5) von Edith Maryon aufgegriffen wird. Man muss also mit dem ersten Entwurf in den Roh­bau des Ersten Goetheanums gegangen sein, um die Sache an Ort und Stelle zu prüfen (Abb. 7). Die schon angedeutete prozessuale Arbeitsweise Rudolf Steiners wird aus dieser ersten Reihe von Entwürfen klar.

Eine wesentliche Veränderung ergibt sich noch, wenn man Assja Turgenieff in ihren Erinnerungen an Rudolf Steiner hinzuzieht. die Änderung wurde durch eine spontane Äusserung von Mieta Waller ausgelöst:“Herr Doktor, die Gruppe fällt aber nach rechts um,….” )5

Diese Bemerkung scheint gut zu dem dritten Ent­wurf zu passen; denn im vierten Entwurf wird auf ei­nen kompositorischen Ausgleich hingearbeitet, der solch einen Entstehungsgrund haben kann. Die Aus­stülpung nach rechts oben wird im vierten Entwurf stark zurückgenommen und die ersten Ansätze er­scheinen von dem, was später als das Zusammenwir­ken von Luzifer und Ahriman links auftritt. Es ist hier zum ersten Male angedeutet, um kompositorisch ein Gleichgewicht zu schaffen, wozu dann weiterhin auch noch der Felsengeist links‑oben hinzufügt wor­den ist. Assja Turgenieff berichtet, daß diese Erschei­nung sogleich “Weltenhumor” genannt wurde.

Luzifers Schwere

Rudolf Steiner muss die freche, aber richtige Be­merkung Frau Wallers belustigt, aber auch angeregt haben, um dem in die Schwere fallenden Luzifer, der von sich aus eben das Entgegengesetzte der Schwere ist, als “ein Gegengewicht” eine “Weltenkraft” zu ge­stalten, die über den Notwendigkeiten steht und hier als “Weltenhelfer” auftritt: der “Weltenhumor” war geboren.

Auch in diesem Vorgang wird die prozessuale Ar­beitsweise Rudolf Steiners erkennbar. Er nimmt die Bemerkung einer Außenstehenden in den Arbeits­gang mit herein mit ziemlich großen Folgen für die Gesamtgestaltung der “Gruppe”.Das Ganze wurde dadurch sehr bereichert.


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PDF - Die Holzplastik und der neue Raumgedanke – STIL